Konzerte fotografieren I
Es ist ja nicht so, das alle Beteiligten und Besucher eines Konzertes mir vor schierer Begeisterung, das ich nun da bin und fotografiere, auf die Schulter klopfen.
Um etwas Licht in das das Dunkel des „Mythos“ Konzertfotografie zu bringen, werde ich in diesem und in folgenden Artikeln die verschiedenen Arten von Konzertfotoshootings aus meinem Blickwinkel beschreiben.
Dieser Blickwinkel ist wahrscheinlich nicht immer hundertprozentig objektiv. Ich bemühe mich aber, so nah wie möglich und weitestgehend ohne dass Rückschlüsse auf Personen möglich sind, diese Shootings zu beschreiben.
Es gibt da durchaus grundsätzlich unterschiedliche Anforderungen und Schwierigkeiten. Wie so oft im Leben ist nicht alles so, wie es nach außen bei oberflächlicher Betrachtung erscheint…
Der folgende Artikel beschreibt im Wesentlichen, mit welchen Gegebenheiten sich ein Pressefotograf abmühen muss, wenn er Konzertfotos macht. Ich beschreibe das am besten in der Ich-Form ...
... am Veranstaltungsort („Venue“) angekommen, melde ich mich bei den Ordnern („Security“), und gebe an, dass ich erschienen bin das Konzert zu fotografieren. Es wird dann eine Liste durchgesehen und kontrolliert, ob nicht einer von denen bin, die sich gratis Zugang zum Konzert verschaffen wollen sondern tatsächlich akkreditiert bin. Manchmal werde ich schon von weiten erkannt und werde im direkten Sinne des Wortes "durchgewunken".
Damit ist dann die zweite Hürde genommen. Die erste Hürde ist, die Akkreditierung überhaupt zu erhalten. Die Verantwortlichen, welche die Akkreditierung vergeben, sind da nicht sonderlich großzügig und hinterfragen genau, wer da anfragt. Es werden zahlenmäßig relativ wenige ausgegeben.
Es sind also Hürde eins und Hürde zwei erfolgreich genommen. Jetzt erhalte ich meinen Fotopass. Hier muss man nun wissen, das längst nicht jede Person auf einem Konzert, welche einen Pass um den Hals hängen hat, sich auch bis in die Künstlergarderobe vorwagen darf. Die Kennzeichen und die auf den Pass aufgedruckten Funktionen zeigen der Security, was der Träger zu tun hat und wo er sich im Venue bewegen darf.
Einige Pässe beschreibe ich hier mal grob.
Es gibt da neben dem Fotopass zum Beispiel noch Pässe für die „local crew“, auch „stage hands“ genannt. Das sind Menschen, die im „Venue“ beschäftigt sind oder für eine Veranstaltung angestellt werden, um beim Aufbau „zur Hand“ gehen. LKW („Truck“) be- und entladen, Bühne („Stage“) auf- und abbauen, Traversen („Truss“) montieren und-so-weiter.
Die Wege, die für den Auf- und Abbau notwendig sind dürfen mit diesem Pass genutzt werden. Zusätzlich oftmals, nicht immer, auch der Bereich („area“) hinter der Bühne („backstage“) wo die Gruppenverpflegung („catering“) zur Verfügung steht. Wer arbeitet, soll auch essen…
Die Personen, welche sich um das Catering kümmern, tragen einen Pass mit dem Zusatz „Catering“. Dies kennzeichnet, dass diese Person eher viel in der Küche (logisch) und wenig bis nichts im Bereich der Bühne zu tun hat.
Der Pass, welcher den größten Bewegungsradius ermöglicht, trägt den Aufdruck „access all areas“. Meistens mit dem Namen des Trägers. Mit diesem Pass steht nur noch ein „herein“ zwischen der Garderobentür, dem anklopfen an eben dieser und den Exklusivfotos…
Der Alltag für mich als Träger eines Fotopasses („photo“, „press“ oder auch „media“) stellt sich häufig so dar: Nachdem ich mir den Fotopass um den Hals gehangen oder an die Jacke geklebt habe folgt die Unterweisung über die Spielregeln.
Meistens lauten diese ungefähr so: Ihr (ich bin ja selten der einzige der fotografiert …) wartet bis zum beginn an der linken Seite der Bühne. Ihr fotografiert die ersten drei Lieder aus dem Fotograben („Wavebraker“). Das ist der Bereich zwischen Bühne und Absperrgitter. Blitz ist nicht erlaubt. Nach dem dritten Lied macht Ihr sofort den Graben frei, packt Eure Ausrüstung ein und verlasst den Bühnenbereich. Fotografieren ist nach dem dritten Lied auch aus dem Zuschauerraum nicht erlaubt.
Und so läuft der Job dann auch relativ unspektakulär ab. Zusammen mit den Fotokollegen warte ich darauf, das dass Konzert beginnt. Einige treffe ich öfter, verstehe mich gut mit denen und halte Smalltalk bevor es an die Arbeit geht.
Mit diesen Kollegen kann ich dann in der kurzen, aber ausreichenden Zeit in der fotografiert werden darf, gut zusammen arbeiten. In der Enge des Fotograbens, seinen Stolperfallen und dem Gedränge darin nehmen wir so gut es geht Rücksicht aufeinander, tauschen die Aufnahmepositionen und sehen zu, das alle zu Ihren Aufnahmen kommen.
Richtig Spaß macht mir diese Art von Konzertfotografie, wenn ich über Blickkontakt und Gesten einen Kontakt zu den Musikern aufbauen kann und sie darüber in eine günstige Aufnahmeposition dirigiere. Dafür verwende ich gern einen Teil der Fotozeit. Lieber einmal weniger den Auslöser betätigt, dafür aber eine eindrucksvolle Pose des Musikers hervorgerufen und die dann eingefangen haben. Das geht meistens so schnell, dass die Fotokollegen das kaum mitbekommen …
Nach dem dritten Lied erscheint dann jemand von der Security oder ein Roadie und weist darauf hin, das die Fotozeit vorbei ist und wir jetzt den Wavebraker verlassen müssen.
Das tue ich dann auch, packe meine Ausrüstung ein verlasse das Venue ohne anschließende Backstagegespräche, ohne Catering, ohne sonstige Vergünstigungen. Ich bin einer der Fotografen. Meine Arbeit ist hier und für heute erledigt.
Wenn an diesem Abend nicht noch wo anders zu fotografieren ist, geht es noch ins Büro. Fotos von den Speicherkarten laden, bearbeiten und versenden.
Feierabend ist irgendwann zwischen 21:00 und Mitternacht …




